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Weniger CO2-Emissionen: Ökostrom für Einsteiger

Etwa 7 % der CO2-Emissionen von Privatpersonen entstehen aufgrund von Stromverbrauch. Auch wenn das Heizen im Wohnbereich mit  15 % den größeren Einfluss hat, lohnt sich dennoch auch ein Blick auf Möglichkeiten der Reduktion der Emissionen von Strom. Einen wichtigen Aspekt stellt dabei die Wahl des Stromtarifs dar. Du könntest Dich für einen Ökostrom-Tarif  entscheiden. Aber mal Hand aufs Herz: Was genau versteht man eigentlich unter Ökostrom? Kannst Du nur durch die Wahl eines anderen Tarifes CO2-Emissionen sparen? Und wodurch unterscheidet sich Dein Ökostrom von herkömmlichem Strom?

Das alles sind Fragen, auf die es gar nicht so leicht ist, plausible Antworten zu finden. Im Folgenden gehe ich auf die einzelnen Fragestellungen ein und versuche für Dich eine Antwort zu finden.

Ökostrom – Was ist das eigentlich?

Der Begriff Ökostrom ist in Deutschland nicht rechtlich geschützt. Umgangssprachlich versteht man unter Ökostrom oder auch Grünstrom elektrische Energie, die aus sogenannten Erneuerbare-Energie-Anlagen (EE-Anlagen) stammt. Dazu zählen Windkraft, Photovoltaik (PV), Wasserkraft und der Energiegewinn aus Biomasse.

Unser Ökostrom lässt sich in physischen Größen erst einmal nicht von konventionellem Strom unterscheiden. Der Unterschied liegt rein in der Herkunft bzw. der Erzeugungsweise des Stroms. Das, was letztlich direkt aus unserer Steckdose kommt, wird dadurch aber nicht automatisch zu reinem Ökostrom, nur weil wir einen Ökostrom-Tarif wählen. Stattdessen wird ein Haushalt, der an das öffentliche Netzwerk angeschlossen ist, in der Regel mit dem Strom beliefert, der aus dem nächstliegenden Kraftwerk kommt. Das kann ein Windkraftwerk sein – oder eben auch ein Atom- oder Kohlekraftwerk.

Wozu dann einen Ökostrom-Tarif?

Natürlich stellt man sich jetzt zurecht die Frage, wozu der Ökostrom-Tarif denn nun gut ist – wenn der Strom aus meiner Steckdose dadurch nicht mit Sicherheit grün wird. Dazu hilft es zu wissen: Wird von einem größeren Anteil der Kunden ein Ökostrom-Tarif gewählt, so muss der Anbieter die Herkunft der Menge des bezahlten Ökostroms auch bilanziell nachweisen. Vereinfacht gesagt, werden die Anbieter dann nach und nach „gezwungen“, mehr und mehr Strom aus erneuerbaren Anlagen in das Netz einzuspeisen. Um dies zu garantieren müssen neue Kraftwerke gebaut werden – und damit wird auch der Strom aus unserer Steckdose zunehmend grüner.

In Deutschland wurden 2019 etwa 46% der Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen. Größter Energielieferant ist dabei die Windkraft mit 24% der Gesamtenergieerzeugung. Aktuell liefert  die Kernenergie noch 14% im Strommix. Wird diese mit dem Ausstieg aus der Atomkraft durch Energie aus erneuerbaren Trägern geschlossen, so wird in naher Zukunft die 50%-Marke durch Erneuerbare Energien geknackt. Bei einigen europäischen Freunde sieht es da bereits besser aus: In Österreich wird der Strom zu 75 % aus EE-Quellen (60% Wasserkraft und 15% aus anderen erneuerbaren Energien) gewonnen. Unangefochten auf Platz 1 in Europa liegt Norwegen. Etwa 98% des erzeugten Stroms stammt hier aus EE-Anlagen, davon allein 93% aus Wasserkraft.

Wie hoch sind die CO2-Emissionen von Ökostrom?

Wer jetzt glaubt, dass Ökostrom ohne CO2-Emissionen auskommt, der irrt sich allerdings. Es stimmt zwar, dass z.B. Windkraft und Photovoltaikanlagen CO2-frei Strom produzieren können, allerdings muss zunächst auch eine nicht zu unterschätzende Menge an Energie aufgewendet werden, um überhaupt Energie gewinnen zu können. Wird eine PV-Anlage beispielsweise zu 100% mit Kohlestrom hergestellt, so hätte Strom aus PV-Anlagen einen CO2eq-Wert von 218g CO2 pro kWh. Realistischer ist allerdings ein Wert von etwa 50 g CO2 pro kWh. Windkraft kommt auf etwa 18g CO2 pro kWh. Zum Vergleich: 1 kWh Energie gewonnen aus Braunkohle liegt bei 1075g CO2.

Wenn man mit den hier zugrunde gelegten Werten eine fiktive Beispielrechnung durchführt, so hat der aktuelle Strommix in Deutschland einen Durchschnittswert von 363g CO2 pro kWh. Würde man 100% Ökostrom beziehen und diesen anhand der aktuellen relativen Werte hochrechnen würde sich daraus folgender Strommix ergeben:

Windkraft 53,3%                          18g CO2 / kWh

Photovoltaik (PV) 19,7%             50g CO2 / kWh

Biomasse 18,7%                           70g CO2  / kWh

Wasserkraft 8,3                            22g CO2 / kWh

Damit ergebe sich ein Wert von 34,4g CO2 pro Kilowattstunde und damit eine Ersparnis von etwa 90%. Ein durchschnittlicher Einpersonenhaushalt mit einem Verbrauch von 1500kWh im Jahr könnte seinen jährlichen CO2-Fußabdruck damit um 492,9KG CO2 verringern. Auch wenn die Zahlen in der Praxis nicht auf Anhieb so schön aussehen, so kann man auf die Frage: „Sag mal, lohnt sich Ökostrom denn überhaupt?“ mit gutem Gewissen antworten :  „Ja, klar!“.

Überzeugt? Augen auf bei der Wahl des Tarifs!

Mein Fazit für Dich: Ja, ein Ökostrom-Tarif lohnt sich. Und das charmante daran: es handelt sich dabei um eine Maßnahme, die keine kontinuierliche Verhaltensänderung erfordert. Viel mehr kannst Du Dich einmalig darum kümmern, der Aufwand ist gering und auch die zusätzlichen Kosten sind überschaubar. Mein Kollege Luca zahlt beispielsweise für einen 2 Personenhaushalt 3 Euro mehr im Monat. Machbar, oder?

Falls Du direkt über einen Wechsel nachdenkst, habe ich dazu noch zwei Tipps für Dich: Wähle einen reinen Ökostromanbieter. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass ein konventioneller Anbieter sich nur bilanziell den grünen Strom zukauft und nicht selbst in grüne Kraftwerke investiert. Achte außerdem auf sogenannte Ökostrom-Labels, die bestimmte Kriterien garantieren und so auch eine Orientierungshilfe bieten.  Keine Ausreden mehr? Dann los: Wechsle direkt zu einem grünen Tarif und spare tagtäglich CO2-Emissionen!

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