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Klimawandel: was kann ich selber tun?

Der Klimawandel ist eine komplexe Herausforderung. Und ich habe mich gefragt: was kann jede:r Einzelne tun? Und welche Rolle kommt Unternehmen zu? Ich habe zurück geschaut und gebe einen Ausblick. Aus einer ganz persönlichen Sicht.
1972 – in dem Jahr in dem ich geboren wurde, fand die erste Konferenz der Vereinten Nationen „über die Umwelt des Menschen“ in Stockholm mit 113 Staaten statt. In den folgenden 20 Jahren danach bis zur ersten internationalen Klimakonferenz in Rio 1992 wurde kein weiteres Treffen dieser Art abgehalten? In diesem Jahr habe ich Abitur gemacht. In den vergangenen knapp 30 Jahren seitdem wurde viel verhandelt und tatsächlich verschiedene Maßnahmen zur Bewältigung der so genannten Klimakrise beschlossen. Die eigentlich eher einer Menschheitskrise gleicht. Weil die Menschen die Leid tragenden sein werden. Die Klimakonferenz findet seit 1995 jährlich statt und 2015 wurde von 195 Staaten sogar eine Folgevereinbarung des so genannten Kyoto-Protokolls beschlossen. Unter der neuen Regierung sind die USA dem Pariser Klimaabkommen wieder beigetreten. Doch wer kann heute ernsthaft behaupten, die komplexen Zusammenhänge zwischen internationaler Klimapolitik und -forschung einerseits und ökonomischen Herausforderungen und dem konkreten Handeln von Wirtschaftsunternehmen andererseits zu verstehen? Die hohe Komplexität stellt eine echte Barriere dar und entspricht häufig nicht der Lebensrealität der Menschen. Die Übersetzung in ganz konkrete, alltägliche Maßnahmen, die Verbindung zwischen Information – und zwar ohne erhobenen Zeigefinger – und nachvollziehbarer Transparenz ist gefragt. Und wird allzu oft nicht oder nur unzureichend bedient. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind vor allen Dingen auch eine kommunikative Herausforderung. Für jeden einzeln ebenso wie für Unternehmen. Was können Unternehmen und jede:r Einzelne also tun?

Kleine Schritte zum Erfolg

Wir wissen heute aus der Kommunikationspsychologie, dass kleine Schritte mit möglichst unmittelbarer Erfolgsbestätigung und der Möglichkeit sich sozial zu vernetzen, besonders erfolgversprechend sind (siehe hierzu auch das unten verlinkte Webinar und die Hinweise im letzten Absatz dieses Artikels). Soziale Medien bedienen unseren Wunsch nach Kontakt, Aufmerksamkeit und kleinen, unmittelbaren Erfolgserlebnissen, die wir förmlich spielerisch erreichen können. Die Likes unter einem Foto, die Kommentare zu einem Post auf einer beliebten Plattform – das alles fühlt sich im wahrsten Sinne des Wortes gut an. 

Beim Thema Klima ist das häufig anders. Denn eigentlich wissen wir in der Regel ganz gut Bescheid darüber, dass wir das große, schwere Auto besser stehen  lassen sollten, um mit dem Fahrrad zu fahren. Oder, dass eine vegetarische Ernährungsweise nachhaltiger und auch besser fürs Klima wäre. Schnell ist dann jedoch von Verzicht die Rede. Und die konkrete Faktenlage wird unübersichtlich. Sind Sojaprodukte wirklich nachhaltig? Sind in Elektroautos nicht diese „seltenen Erden“? Am Ende machen wir lieber weiter wie bisher, anstatt uns von irgendwem reinreden zu lassen. Denn noch besser als spielerische Vernetzung und Bestätigung ist Selbstbestimmung. Und die ist häufig genug dadurch erreichbar, dass man zunächst einmal nichts ändert.

Selbstbestimmt und gut informiert

Wie bekommen wir es also hin, dass der erhobene Zeigefinger in der Tasche bleibt und die Information trotzdem beim Gegenüber – also zum Beispiel auch bei Mitarbeiter:innen eines Unternehmens – ankommt? Die Antwort ist bestechend einfach: sie muss leicht verfügbar sein und derjenige für den sie ist, muss sie sich selbst holen. In den Anfängen von Codyo, haben wir eine ganze Reihe Menschen gefragt, wie sie sich im Alltag fortbewegen und was sie vielleicht gerne daran ändern würden; auch welche Herausforderungen damit verbunden sind. Schnell kam heraus, dass persönliche Mobilität ein Lebensbereich ist, der wie viele andere von äußeren Rahmenbedingungen dominiert wird. Arbeitszeiten mit Präsenzpflicht, Kindergarten und Schule, Großeinkauf. Der Wunsch hier etwas zu ändern, scheitert häufig an ganz lebenspraktischen Herausforderungen. Und am Mangel über die Kenntnis von Alternativen – an Informationen also. Schnell wurde klar, dass der Wunsch sich hier nachhaltig zu verhalten auch auf viele andere Bereiche übertragbar ist. Und, dass die Menschen sich Orientierung im Sinne von Handlungsempfehlungen und Informationen wünschen. Und zwar solche, die sie sich ohne weiteres selbst erschließen können, um andere Entscheidungen treffen zu können. Diese Antworten liefert heute Codyo: wieviel CO2 spare ich ein, wenn ich mit dem Rad anstatt mit dem Auto zur Bäckerei fahre? Ist es besser vegetarisch zu essen oder kalt zu duschen? Schnell ist der Spieltrieb geweckt oder eine persönliche Challenge gestartet.

Nachhaltigkeit und Kommunikation

Viele Kunden glauben nicht an die Nachhaltigkeitsbekenntnisse von Unternehmen. Und weil Nachhaltigkeit vor allen Dingen auch ein Kommunikationsthema ist, ist das ein echtes Problem. Es geht um Vertrauen – zum Beispiel auch in das eigene Unternehmen und dessen Ziele im Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Nirgendwo sonst wird das Spannungsfeld zwischen weitreichenden Klimaschutzzielen und berechtigten wirtschaftlichen Interessen so deutlich wie bei dem Unternehmen, für das wir selbst arbeiten. Natürlich wollen wir, dass das Unternehmen auch in Zukunft Geld verdient, wir unseren Arbeitsplatz behalten und damit auch für uns selbst eine sichere und vorhersehbare Zukunftsperspektive haben. Aber ist das mit weitreichenden Nachhaltigkeitszielen und zum Beispiel massiven CO2 Reduktionszielen vereinbar?
Ein Unternehmen muss die Chancen des Wandels und die Auswirkungen auf das Geschäftsmodell und den Ertrag gegeneinander abwägen. Aus dem Klimawandel ergeben sich eine Reihe unternehmerischer Risiken, die es zu kalkulieren gilt. Diese hängen mit unmittelbaren Kosten – z.B. durch eine CO2 Bepreisung oder Kosten für Zertifikate – zusammen. Und vor allen Dingen auch mit regulatorischen und rechtlichen Fragen bis hin zu Wettbewerb und Reputation. Nachhaltigkeit und Klimaschutz scheinen zunehmend wichtige Entscheidungskriterien zu werden. Nicht nur für Investoren, sondern vor allen Dingen auch für Kunden. Die Dekarboniserung der Wirtschaft erscheint als fest vereinbartes Zielbild. Ebenfalls im Jahr 2015 vereinbarten die G7 Staaten eine schrittweise Abkehr von fossilen Energieträgern (40 bis 70 Prozent bis 2050 ggü. 2010) und auf dem Weltgipfel Nachhaltige Entwicklung im gleichen Jahr wurden die so genannten Sustainable Development Goals (SDGs) verabschiedet, die mit einer Laufzeit bis 2030 unternehmerisches Handeln beeinflussen (SDG 7 nachhaltige Energie, SDG 13 Bekämpfung des Klimawandels).

Unternehmen und ihre Mitarbeiter

Das Greenhouse Gas Protocol, sieht die Betrachtung der Emissionen aus dem Unternehmen in drei Scopes vor. Während Scope 1 (direkte Emissionen) und Scope 2 (indirekte Emissionen) mit einiger Mühe, aber dennoch in der Regel recht konkret erfasst werden können, gilt dies für die Scope 3 Emissionen nicht. Dabei handelt es sich um die Emissionen, die zum Beispiel durch den täglichen Weg zur Arbeit oder Dienstreisen, die Entsorgung oder die Nutzung der Produkte des Unternehmens durch Kunden:innen ergeben. Während man sich in Scope 1 und 2 bereits teilweise mit Richtwerten hilft, stößt man in Scope 3 an valide Grenzen. Wie und mit welchem Verkehrsmittel sich Mitarbeiter:innen zur Arbeit bewegt, kann man ggf. durch Befragungen herausfinden. Ob und wie sich das Verhalten ändert ist auf diese Art und Weise nur sehr schwer bis gar nicht feststellbar. Genau hier setzen wir mit Codyo an: wenn Verhaltensänderung und Datenbereitstellung Spaß macht und auch hier ohne den schon erwähnten erhobenen Zeigefinger stattfindet, kann man die Daten aus der App hervorragend nutzen, um sie in der Auswertung zu berücksichtigen. Mehr noch: die Glaubwürdigkeit und das echte Bemühen für mehr Nachhaltigkeit wird unterstrichen, die intrinsische Motivation des Einzelnen adressiert und positive Effekte durch Verhaltensänderungen unmittelbar sichtbar. 

Climate Choice Webinar zur Einbindung von Mitarbeitern

Zur Rolle der Mitarbeiter:innen im unternehmerischen Kontext und in Hinblick auf Klimaschutzziele sowie der Komplexität der Aufgabenstellung, haben wir uns mit einem Beitrag im Rahmen einer Webinarreihe von The Climate Choice beteiligt. In den Ausführungen und der Diskussion sind wir auf verschiedene oben dargestellten Aspekte eingegangen. Insbesondere auch auf die Zusammenhänge der Kommunikation und Bereitschaft für Veränderungen.

Autor: Frank Glanert

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